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Anspruchsvolle CO2-Zielwerte für neue Pkw technisch und ökonomisch erreichbar – Fahrzeughersteller können von Elektromobilität profitieren

Ein CO2-Zielwert von 70 Gramm pro Kilometer (g/km) für das Jahr 2025 ist auch ohne eine große Anzahl an Elektrofahrzeugen erreichbar und wäre mit deutlichen

Kraftstoffeinsparungen für Autofahrer verbunden. Bei einem frühzeitigem Umstieg auf Elektromobilität könnten Fahrzeughersteller bis zu €500 pro Fahrzeug sparen.

Die CO2-Emissionen neuer Pkw müssen bis zum Jahr 2021 laut EU-Gesetzgebung von heute durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer (g/km) auf dann 95 g/km sinken. Eine weitere Reduktion ist bislang nicht festgeschrieben, neue Zielwerte für die Jahre 2025 und 2030 werden allerdings momentan in Brüssel diskutiert. Es wird erwartet, dass die EU-Kommission 2017 einen konkreten Gesetzesvorschlag unterbreiten wird. Bereits im Jahr 2013 empfahl das Europäische Parlament, die Zielwerte für 2025 auf ein Niveau von 68-78 g/km, oder niedriger, abzusenken.

Schematische Darstellung der CO2-Emissionen neuer Pkw in der EU im Zeitraum 2014-2030, unter Annahme zweier Szenarien: eine Absenkung von 3,9% pro Jahr bzw. 6,8% pro Jahr.

Eine neue Studie des International Council on Clean Transportation greift auf umfangreiche Fahrzeugsimulationen sowie detaillierte Kostenschätzungen zurück, um aufzuzeigen, welche CO2-Zielwerte zukünftig technisch erreichbar sind und welche Investitionskosten diese Zielwerte mit sich ziehen würden.

“Unsere Analyse zeigt, dass ein CO2-Zielwert von 70 g/km für 2025 – im Durchschnitt für die gesamte Neufahrzeugflotte – erreicht werden kann, und zwar ganz ohne oder zumindest mit sehr geringen Stückzahlen von Elektrofahrzeugen,” sagt Dr. Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT in Europa. „Für die hierfür notwendigen Effizienztechnologien sind zusätzliche Investitionen von €1.000 bis €2.150 pro Fahrzeug notwendig. Gleichzeitig beträgt die jährliche Kraftstoffersparnis – als direkte Folge niedrigerer CO2-Emissionen – €450 pro Jahr und Fahrzeug.” Die CO2-Emissionen und der Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs hängen direkt miteinander zusammen.

Die ICCT-Studie kommt zu dem Schluss, dass alleine durch eine weitere Verbesserung von herkömmlichen Verbrennungsmotoren sowie die flächendeckende Einführung der Hybridtechnologie ein Flottenzielwert von 70 g/km erreicht werden kann. “Für einen durchschnittlichen Autokäufer würden sich die Anfangsinvestitionen in die notwendigen Effizienztechnologien nach spätestens drei bis vier Jahren bezahlt machen und über die Lebensdauer des Fahrzeugs ließen sich mehrere Tausend Euro an Kraftstoffverbrauch einsparen,” ist sich Dr. Mock sicher.

Während ein CO2-Zielwert von 70 g/km ohne eine nennenswerte Anzahl von Plug-in und Batteriefahrzeugen erreicht werden könnte, stellen die ICCT-Forscher klar, dass es für Fahrzeughersteller wenig ratsam wäre, das verbliebende Verbesserungspotenzial herkömmlicher Verbrennungsmotoren voll auszuschöpfen. Wesentlich günstiger aus Sicht der Hersteller ist es, schon zu einem früheren Zeitpunkt von Benzin- und Dieselfahrzeugen auf elektrische Antriebe umzustellen.

Abgeschätzte Zusatzkosten je Fahrzeug, um eine CO2-Reduktion der Neufahrzeuge bis zum Jahr 2025 zu erreichen. Die braune Linie (Strategy 1) unterstellt, dass zunächst alle noch vorhandenen technischen Potenziale des Verbrennungsmotors voll ausgeschöpft werden, die grüne Linie (Strategy 2) unterstellt einen frühzeitigen Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Die gestrichelten Linien zeigen den erforderlichen Anteil an Elektrofahrzeugen zur Zielerreichung.

“Fahrzeughersteller können einen CO2-Zielwert von 70 g/km im Jahr 2025 für €200 bis €500 weniger pro Fahrzeug erreichen, falls sie schon frühzeitig auf Elektrofahrzeuge umsteigen und mit diesen einen Marktanteil von etwa 15 Prozent der Neufahrzeuge im Jahr 2025 erreichen,” erklärt Dr. Mock. Der Grund hierfür: eine deutliche Absenkung von Batteriekosten in den kommenden Jahren. “Bereits heute beobachten wir, dass einige der Fahrzeughersteller, wie zum Beispiel Renault-Nissan oder in jüngster Zeit auch Volkswagen, eine solche Strategie des frühzeitigen Umstiegs auf Elektromobilität verfolgen.” Für das Jahr 2030, sieht die ICCT-Studie CO2-Zielwerte von 40 g/km und niedriger als erreichbar, dann allerdings unter Annahme eines deutlichen Marktanteils von Elektrofahrzeugen.

Für die Zukunft ist es jedoch wichtig, nicht nur die offiziellen CO2-Emissionen neuer Pkw weiter abzusenken. Eine Studie des ICCT aus der vergangenen Woche zeigt auf, wie sich die Diskrepanz zwischen Labor-Testwerten und Erfahrungswerten aus dem Alltagsbetrieb auf inzwischen durchschnittlich 42% vergrößerte . Ab 2017 wird in der EU eine neue, realistischere, Labor-Testprozedur für Pkw CO2- und Kraftstoffverbrauchswerte eingeführt. Auch diese neue Testprozedur wird jedoch Schlupflöcher enthalten, die von Fahrzeugherstellern ausgenutzt werden können. “Es ist wichtig, dass die EU-Kommission nicht nur verbindliche CO2-Zielwerte für die Jahre 2025 und 2030 festlegt, sondern gleichzeitig die maximal erlaubte Abweichung zwischen offiziellen und realen CO2-Emissionen begrenzt, wie dies auch schon bei Luftschadstoffen der Fall ist,” sagt Dr. Mock.

Ansprechpartner: Peter Mock, peter@theicct.org

Publication details

2020-2030 CO2 standards for new cars and light-commercial vehicles in the European Union [Briefing paper]

CO2 reduction technologies for the European car and van fleet, a 2025-2030 assessment: Methodology and summary of compliance costs for potential EU CO2 standards [White paper]

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